• Miriam Witteborg

IX. EMSCHERGESCHICHTE(N) - Oder: Vom Weinanbau an der Emscher (damals und heute)


Man kann sich ja viel vorstellen, aber Emscher-Wein?!? Jau. So isset. Gewesen und ist wieder. Sogar in meinem eigenen kleinen Grabeland - aber ich greife vor..

Werfen wir ein Blick zurück in das 14. Jahrhundert. Konrad von der Mark wurde hier als dritter Sohn des adeligen Grafen Eberhard, den I. von der Mark geboren und trat zunächst, wie es zu diesen Zeiten nun einmal üblich war, nicht das Erbe seines Vaters an (ein Recht, das dem Erstgeborenen zustand), sondern wandte sich ganz traditionell dem Glauben zu.

Trotz einer, wie man heute sagen würde, steilen kirchlichen Karriere (er stand kurz vor der Weihe zum Bischof) quittierte er überraschend seinen Dienst, um mit Elisabeth von Kleve (der späteren Äbtissin vom Kloster Clarenberg und einer Verwandten 4. Grades) die Ehe einzugehen. Verhältnismäßig güterlos, wurde ihm seitens der Familie schließlich die 'Herrschaft Hörde' zugesprochen. Im Gegenzug unterstütze er seinen älteren Bruder Adolf durchaus erfolgreich bei seinen kriegerischen Auseinandersetzungen, woraufhin er in den Rang eines Ritters erhoben wurde. Trotz kriegerischem Talent entschloß sich Konrad jedoch für ein friedvolleres Leben und im Jahr 1339 schließlich gemeinsam mit seiner Angetrauten dazu, in Hörde ein Kloster zu gründen. 1340 verlieh er zudem Hörde die Stadtrechte.

1342 spendete er dann der Hörder Antoniusbruderschaft (über welche sehr wenig bekannt ist, außer dass sie sich vermutlich den Armen und Kranken zugewandt hat) den 'Renneberghe' (den heutigen Remberg), um sie dort fortan Wein anzubauen zu lassen - zusammen mit Bier war es aufgrund seiner antiseptischen Wirkung DAS Getränk der Zeit und in der Heilkunde unentbehrlich.

Und der verschenkte Standort war gut gewählt, denn die südliche und daher sonnige Steillage sowie die kalkhaltigen Böden oberhalb der friedlich mäandernden Emscher lieferten über Jahrhunderte gute Ernte - noch im Jahr 1567 wurde das Gebiet als „des graven wyngard“ (des Grafen Weingarten) schriftlich erwähnt. Spätestens die Industrialisierung und der Bergbau sollen diese Ära jedoch beendet haben. Die alten Straßennamen wie Weingartenstraße oder Winzerweg zeugen jedoch noch von der Tradition.


Und heute? Heute wird wieder Wein an der Emscher angebaut. Und zwar von der Emschergenossenschaft (was die sonst so machen, kann man dann bald hier im BLOG bei Interesse nachlesen) zusammen mit dem Hörder Heimat- und Geschichtsverein unter der Leitung von Helmut Herter. Am Hörder Phoenixsee wurden 2012 die ersten Reben der pilzwiederstandsfähigen Sorte 'Phoenix' (da kann mir keiner erzählen, das sei ein Zufall..) gepflanzt, 2 Jahre später die erste Ernte eingefahren und im Sommer 2019 bereits gut 70 Flaschen eines leichten Sommerweißweins namens "Neues Emschertal Phoenix" abgefüllt. Die Ernte in Flaschen wird traditionell versteigert bzw. einmal jährlich für den guten Zweck für 5 € das Glas verkostet. Und auch der Weinberg kann besichtigt werden - Informationstafeln geben hier einen Einblick in die Tradition des Anbaus sowie die Herstellung von Wein und klären darüber hinaus über die bedenklichen klimatischen Entwicklungen unserer Zeit auf.

Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sich 2018 in Barop in der Nähe des ebenfalls renaturierten Rüpingsbachs, ein zweiter Mitmach-Weinberg unter der Anleitung der Winzerin Tina Krachten entwickelt. Interessierten werden hier alle zur Herstellung notwendigen Schritte (vom Pflanzen über den Rebschnitt sowie die Weinbergpflege hin zur Ernte und zum fertigen Wein) nahegebracht. Einmal im Monat kann man im UmweltKulturPark in Dortmund Barop an einem Treffen teilnehmen und so über die ganze Saison hinweg dabei helfen, die über 300 Reben der Rotwein-Sorte 'Cabaret Noir' zu pflegen.


Und jetzt kommts - seit Mitte letzten Jahres beackere ich gemeinsam mit meinem Liebsten und zwei guten Freunden in Dortmund Hörde am hinteren Remberg etwa 400 qm gepachtetes Grabeland - "Achte Reihe Phoenixsee" sage ich gerne, wenn mich jemand zur Lage befragt. Das Kuriose ist: Übernommen haben wir den Garten von einem jungen Mann namens Konrad..merkwürdige Zufälle gibt es doch..

Und auf unserem Grundstück wächst Wein. Der alte Stamm ist an seinem Ursprung etwa so dick wie mein Oberschenkel, windet sich zur einen Seite hin malerisch über unsere wunderschöne baufällige Hütte und auf der anderen Seite hoch hinauf in einen alten Baum, in welchem dann im Spätsommer in gut 10 Meter Höhe die lila-farbenen Trauben unerreichbar hoch hängen..wer denkt da nicht an die Fabel "Der Fuchs und die Trauben"..

Jetzt will ich nicht gleich übertreiben und damit prahlen, dass ich als Winzerin in der Tradition der Antoniusbruderschaft einen Hörder Weinberg verwalte, aber toll ist das schon. Letztes Jahr wuchsen uns die Trauben quasi in den Mund und ich habe diverse Gläser Traubengelee produziert. Dieses Jahr möchte ich mich mit einem schlichten Gärgefäß für Anfänger daran wagen, (m)einen ersten eigenen Wein herzustellen und ich fabuliere bereits über einen Namen...wie wäre es denn mit "Mundschenk Miri", "Rennebergher Rebensaft" oder "Wattn' Wein"..? Vorschläge sind hier gerne willkommen!


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Quellen:


https://blog.eglv.de/erster-emscherwein-ist-im-fass/ (20.04.2020)


https://www.eglv.de/medien/emscher-wein-vom-phoenix-see-kann-wieder-verkostet-werden/ (20.04.2020)


https://www.sail-together.de/nachrichten/artikel/der-neue-phoenix-wein-ist-da/ (26.04.2020)


https://www.wikiwand.com/de/Konrad_von_der_Mark (27.04.2020)


https://www.wikiwand.com/de/Haus_Mark_(Adelsgeschlecht) (27.04.2020)





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