• Miriam Witteborg

XVII. EMSCHER-WEIN: Hausgemacht

Wer schonmal hier im Blog gestöbert hat, der weiß vielleicht noch, dass an der Dortmunder Emscher bereits im Mittelalter (genauer gesagt im 14. Jahrhundert von der Antoniusbruderschaft am Hörder Renneberghe) Wein angebaut wurde.

Auch heute gibt es noch Weinanbau an besagter Steillage - sowohl professionell durch die Emschergenossenschaft als auch eher so semi-professionell durch mich und die drei wunderbaren Menschen, mit denen ich mir 400 qm Grabeland (direkt am Hörder Remberg gelegen) teile.

Den alten Weinstock gab es bereits, als wir vor gut 2 Jahren den wilden Garten übernommen haben. Neben einer schattenspendenden Weinlaube erobert sich besagter Weinstock (wohl schon seit Jahrzehnten) die umliegenden Baumkronen und zahlose Trauben reifen jedes Jahr völlig ungestört in unerreichbaren Höhen..

Sicher, mit Hilfe professioneller Baumkletterer oder auch lebensmüder Abenteurer wären etliche Kilogramm Trauben mehr zu ernten gewesen - aber weil das Grabeland schließlich unserem Vergnügen dient, wir an unseren heilen Knochen hängen und 2020 reichlich spät an die Umsetzung einer eigenen Weinherstellung gedacht haben, belief sich die finale herbstliche Ernte aus der Weinlaube dieses Jahr halt "nur" auf etwa 5 Kilogramm.


Nach ebenfalls eher kurzfristiger Recherche fiel uns auf, dass wir für eine professionelle Umsetzung nicht die "richtigen" Zuaten hatten - je nach Rezept wäre das mindestens ein Weinballon und ein Gärverschluss sowie nach Bedarf auch Weinhefe, Närsalz, Zucker, kohlesaurer Kalk, Kaliumpyrosulfit zur Schwefelung und zum Schutz vor Oxydation, Zitronen- oder Milchsäure sowie ein Vinometer zum Messen des Alkoholgehalts gewesen..


Not macht ja bekanntlich erfinderisch - und da wir davon ausgingen, dass auch die mittelalterlichen Mönche nur im begrenzten Maße Zugang zu modernen Verfahren, Hilfsstoffen und vorgefertigten Zutaten hatten, haben wir uns für die allereinfachste Variante der Weinherstellung entschieden: Die Maischegärung ohne jegliche Zusätze.


Wie das vonstatten ging?

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Zunächst einmal wurde in mehr oder weniger mühseliger Fleißarbeit jede einzelne Traube von ihrem Steilgerüst (auch Kamm, Rappen oder Gerippe genannt) getrennt und die bereits angefaulten oder angemanschten Trauben aussortiert - frei nach dem Motto "die guten ins Töpfchen, die schlechten in.." den Kompost.


Dann wurden die gute Trauben-Auslese mehrfach behutsam gewaschen, in einem Topf mit einer kleinen Zugabe an Wasser angedünstet und anschließend gestampft. (Bei uns reichte dazu der gute alte Kartoffelstampfer völlig aus.)

Die so entstandene Maische wurde in einen Gärbehälter (ein zuvor im Backofen sterilisiertes Glas-Gefäß) abgefüllt. Da sich beim Gärungsprozess der Inhalt ordentlich ausdehnt, hier noch der Tipp, den Behälter besser nicht zur Gänze aufzufüllen!


Die Maische im Glas wurde wiederum in einen noch größeren Behälter gestellt, welcher anschließend mit Wasser befüllt wurde. (Natürlich nur so hoch, dass nichts in die Maische läuft und sie verwässert.)

Ganz oben auf kam dann noch (da zuvor erwähnter professioneller Gärverschluss nicht vorhanden war) ein Becher, welcher unterhalb der Wasserkante endet und so die Maische davor schützt, dass während der Gärung Sauerstoff eindringt oder Schimmel entsteht.

Durch diesen improvisierten Verschluss, der wie ein Überdruckventil funktioniert, ist es zudem möglich, dass das Kohlendioxid bzw. CO2 (welches beim Gärprozess entsteht) entweichen kann.

Man kann das Ganze am ehesten mit dem Prozess der heimischen Sauerkraut-Herstellung vergleichen - wer dazu kein Bild im Kopf hat, kann sich gern hier am Foto links orientieren.


Der Behälter wurde anschließend an einen ruhigen und eher dunklen Ort gestellt (idealerweise hat dieser eine Temperatur von ca. 18-20 Grad Celsius) und erst einmal in Ruhe gelassen.

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Nach etwa 3 Tagen begann die Maische zu arbeiten und vor sich hin zu blubbern. Nun hieß es geduldig warten, bis dieser Prozess abgeschlossen war - bei uns dauerte er ca. 2 Monate..

Das fertige Erzeugnis wurde alsdann durch ein feines Tuch (in unserem Fall musste ein altes und natürlich sauberes Küchentuch herhalten) abgeseit - eine ziemliche Sauerei, wenn ich ehrlich bin, an welche mich noch lange ein paar blassblaue Flecken an der ansonsten weißen Küchenwand erinnern werden..


Der nun weitesgehend klare und in Flaschen abgefüllte Wein hatte durch die Maischegärung samt Schale eine wirklich wunderschöne, intensive, dunkle und rot-violette Färbung angenommen. Und er roch gut. Gemeinsam haben wir ihn im Dezember verkostet, während wir Lebkuchen gebacken haben.

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Wie uns unser allererster Emscher-Wein der Eigenmarke "Chateau Renneberghe 2020" geschmeckt hat?

Nun - aromatisch, üppig, fruchtig und...im Abgang dann doch ein wenig zu sauer für meinen persönlichen Geschmack..

Aber er hatte Wums und wir haben ihn selbst gemacht. Viel mehr konnten die Antoniusbruderschaft damals im Mittelalter wahrscheinlich auch nicht erwarten, oder?


Nächtes Jahr wollen wir es jedenfalls wiederholen :)



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